Zertifikatsfeier 2018 in Locarno

Am 9. November 2018 fand im Berufsbildungszentrum von Locarno die Abschlussfeier 2018 des internationalen Austauschprogramms für Auszubildende, Xchange, statt.

124 Jugendliche aus den Regionen der Arge-Alp (Arbeitsgemeinschaft der Alpenländer) und der IBK (Internationalen Bodenseekonferenz) nahmen an der Zertifikatsfeier teil. 

Xchange, das internationale Austauschprogramm für Auszubildende, ist im Tessin Bestandteil der angebotenen Mobilitäts- und Sprachförderungsprojekte der Dienststelle „Lingue e Stage all'Estero“ beim Departement für Erziehung, Kultur und Sport (DECS).

Für die Auszubildenden in der dualen Berufsausbildung bietet Xchange die Möglichkeit, ein zwei- oder vierwöchiges Berufspraktikum in einem Ausbildungsbetrieb im Ausland zu absolvieren. Seit 2001 nahmen insgesamt über zweitausend Jugendliche aus den Arge-Alp und IBK Regionen und Ländern am Programm teil: Oberösterreich, Salzburg, Tirol und Vorarlberg (Österreich), Bayern und Baden-Württemberg (Deutschland), Südtirol, Lombardei und Trentino (Italien), Liechtenstein, die Kantone Appenzell Innerrhoden und Appenzell Ausserrhoden, Aargau, Graubünden, St. Gallen, Schaffhausen, Tessin, Thurgau und Zürich.

Das Tessin wurde gebeten, die Abschlussfeier 2018 des Xchange-Programms zu veranstalten. Der Kanton Tessin hatte das Event bereits 2004 in Bellinzona durchgeführt. Somit fiel die Entscheidung diesmal auf den Bezirk Locarno, in dem neben der heutigen Veranstaltung auch verschiedene Nebenveranstaltungen für die Auszubildenden und ihre Familien, die von außerhalb des Kantons angereist waren, vorbereitet wurden.

Beglückwünscht wurden die 124 Teilnehmer des Xchange-Programms 2018 von Manuele Bertoli, dem Regierungsrat und Leiter des Departements für Erziehung, Kultur und Sport (DECS), Sabine Scherer, der Stellvertreterin des Amts für Lehrlingswesen und Meisterausbildung der Deutschen Bildungsdirektion der Autonomen Provinz Südtirol, und Raimund Kegel als Vertreter der Internationalen Bodenseekonferenz (IBK).

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„Das war eine super Zeit“

Wie vier Arbeitswochen im Ausland junge Handwerker beflügeln
100 Minuten Autofahrt über die Grenze – und plötzlich ist es der Azubi, der den alten Hasen in der Werkstatt noch Neues beibringen kann. So ging es Robin Funke bei seinem vierwöchigen Auslandseinsatz im Rahmen des xchange-Lehrlingsaustauschs in einer Mercedes-Niederlassung in Vorarlberg. Der angehende Kfz-Mechatroniker im dritten Lehrjahr überraschte die Kollegen gleich zu Beginn mit seinem hohen Kenntnisstand. „Sie waren überrascht, dass ich so fit war“, berichtet der 20-Jährige, der bei Südstern Bölle in Singen lernt.

Dass er ungewollt gelegentlich in die Rolle des Lehrmeisters schlüpfte, ist für Funke aber nebensächlich. Er freute sich am meisten darüber, wie freundlich er in seinem Gastbetrieb aufgenommen wurde. „Ich hatte mir die Zusammenarbeit eher distanziert vorgestellt, aber es war richtig familiär dort“, sagt Robin Funke. Er empfiehlt das xchange-Programm ohne Einschränkung weiter: „Es ist eine gute Erfahrung. Man lernt neue Leute und Arbeitsweisen kennen und kann dann entscheiden, welche für einen die bessere ist.“

Lehrlinge kommen motivierter zurück

Robin Funke ist einer von 129 Lehrlingen, die in diesem Jahr mit Hilfe des xchange-Programms Praxiserfahrung im benachbarten Ausland sammeln konnten. Keiner kommt unverändert zurück, die meisten noch motivierter, wie Raimund Kegel, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Konstanz, immer wieder feststellt. „Ich höre oft von den Ausbildern, dass die Lehrlinge, wenn sie zurückkommen, ganz anders aufgestellt sind. Eher stille Azubis wachsen über sich hinaus und fangen an zu reden oder die Dinge in die Hand zu nehmen“, sagt Kegel. Der Vorteil bei xchange sei, dass die Auszubildenden nicht ganz in die weite Welt fliegen müssten und damit auch Sprachprobleme in den Hintergrund träten. Zudem sei man auch während des Auslandseinsatzes in einem bewährten und bekannten Bildungssystem.

Auch drei Lehrlinge der Schreiner-Innung Tuttlingen nutzten die Chance, Erfahrungen in einem ausländischen Betrieb zu sammeln. Nach drei Wochen in Südtirol ist Benedikt Hellmann immer noch begeistert, wie nett ihn die Kollegen dort aufgenommen haben. Er habe insbesondere viele Anregungen bekommen, wie man Arbeiten auch angehen kann. „Sie machen es anders. So habe ich eine andere Sichtweise kennen gelernt“, sagt Hellmann. Seine Kollegen Mario Suske und Bernhard Büchner stimmen ihm zu. Alle drei können nur dazu raten, den Schritt in die xchange-Auslandswochen zu wagen.

xchange-Lehrlingsaustausch

xchange-Lehrlingsaustausch

Der xchange-Lehrlingsaustausch der Internationalen Bodenseekonferenz (IBK) und der Arbeitsgemeinschaft Alpenländer (Arge Alp) bietet Lernenden sowie Unternehmen die Möglichkeit, internationale Erfahrungen zu sammeln. Die Europäische Union unterstützt das Projekt im Rahmen des Programms Erasmus+. 2017 nutzten 129 Lernende die Möglichkeit, bis zu vier Wochen Auslandserfahrung in einem Austauschbetrieb in Österreich, Italien, Deutschland, Liechtenstein oder der Schweiz zu sammeln.

Wer kann teilnehmen?

Am drei- bis vierwöchigen xchange-Austausch können alle Lehrlinge und Auszubildenden aller anerkannten Ausbildungsberufe nach dem ersten Lehrjahr teilnehmen. Der aufnehmende Betrieb muss in der Lage sein, eine qualifizierte Ausbildung zu leisten. Weitere Informationen und Anmeldemöglichkeit unter:

www.xchange-info.net

xchange hwk funke
„Hat Spaß gemacht.“ Der angehende Kfz-Mechatroniker Robin Funke aus Singen konnte in seinem Vorarlberger Austauschbetrieb nicht nur viel lernen. Oft wurde er selber um Rat gefragt.

xchange hwk suske buechner hellmann
„Es war super.“ Die drei Schreiner-Lehrlinge Benedikt Hellmann, Mario Suske und Bernhard Büchner (von links) aus dem Raum Tuttlingen empfehlen allen Auszubildenden die Teilnahme an xchange.

Autor: Holger Thissen

In der dualen Ausbildung grenzenlos engagiert

Am 17. Oktober 2018 werden Betriebe für ihr herausragendes Engagement bei der grenzüberschreitenden Mobilität in der beruflichen Ausbildung mit dem Unternehmenspreis »Berufsbildung ohne Grenzen« ausgezeichnet.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) zeichnet heute gemeinsam mit dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und dem Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) Unternehmen für ihr beispielhaftes Engagement zur Förderung grenzüberschreitender Mobilität in der Ausbildung aus. Namensgeber des Preises ist das Bundesprogramm „Berufsbildung ohne Grenzen“, durch welches das BMWi insbesondere kleine und mittlere Unternehmen bei der Umsetzung von Auslandsaufenthalten in der Ausbildung oder im Anschluss daran unterstützt.

„Auslandsaufenthalte sind ein wichtiger Baustein, die betriebliche Ausbildung internationaler und attraktiver zu gestalten. Damit sie genauso selbstverständ-lich werden, wie ein Auslandssemester während des Studiums, brauchen wir Pioniere, die mit gutem Beispiel vorangehen. Das sind die heutigen Preisträ-ger“ erläutert Peter Altmaier, Bundesminister für Wirtschaft und Energie. „Mich freut besonders, dass wir auch Frau Elke Büdenbender, die Frau des Bun-despräsidenten, für ein gemeinsames Gespräch zu ihren und meinen Per-spektiven zu Wunsch und Wirklichkeit von Ausbildung international gewinnen konnten.“

Die Themen berufliche Bildung und darüber hinaus Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit liegen Frau Büdenbender am Herzen und stellen einen ihrer Schwerpunkte während der Amtszeit des Bundespräsidenten dar. „Unsere Preisträger haben die Vorteile von Auslandsaufenthalten erkannt – Unternehmen können ihre Ausbildungsplätze attraktiver gestalten und erfolg-reich bewerben, sie erhalten hochmotivierte Auszubildende und neue Aus-landskontakte.“ erläutert DIHK Präsident Dr. Eric Schweitzer. „Die Betriebe tragen mit ihrem Engagement nicht nur zur Förderung der Auszubildenden – unseren Fachkräften von morgen – bei. Sie legen außerdem den Grundstein für eine noch intensivere Zusammenarbeit von Unternehmen und Menschen in Europa.“, hebt er weiterhin hervor.

Peter Altmaier betont: „Unser Ziel ist es daher, dass möglichst viele kleine und mittlere Unternehmen ihren Auszubildenden einen Auslandsaufenthalt wäh-rend der Ausbildung ermöglichen können.“ Die Planung und Durchführung von Auslandspraktika für Auszubildende und junge Fachkräfte sind jedoch gerade für kleine Betriebe mit einem großen organisatorischen Aufwand ver-bunden. Hier können die Mobilitätsberaterinnen und -berater bei Handwerks-kammern und Industrie- und Handelskammern behilflich sein.

Nach Ansicht von Hans Peter Wollseifer, Präsident des ZDH leistet das BMWi-Programm „Berufsbildung ohne Grenzen“ „einen wichtigen Beitrag und ist eine wertvolle Unterstützung, um die Attraktivität beruflicher Bildung insge-samt zu erhöhen und gerade kleinen und mittleren Betrieben beim hohen organisatorischen Aufwand unter die Arme zu greifen. Dank der verlässlichen und flächendeckenden Unterstützungsstruktur gelingt es nicht nur, die deut-sche Berufsausbildung internationaler zu gestalten, sondern mit den deut-schen Auszubildenden und jungen Fachkräften auch Botschafter für die duale Berufsbildung hinaus in die Welt zu senden.“

Mit dem Unternehmenspreis „Berufsbildung ohne Grenzen“ werden vier Preis-träger für ihr herausragendes betriebliches Engagement für Auslandspraktika während der Ausbildung ausgezeichnet. Eine Fachjury hat sie aus einer Viel-zahl an Bewerbungen gekürt. Auslandspraktika haben bei allen Finalisten einen hohen Stellenwert. Sie alle profitieren von einem attraktiven Unterneh-mensimage und loben die größere Selbstständigkeit und die Offenheit für Neues auf Seiten der Auszubildenden als einen hohen Mehrwert für den Betrieb.

Informationen zum Bundesprogramm „Berufsbildung ohne Grenzen“
Seit dem 1. Januar 2016 fördert das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) das Netzwerk der Mobilitätsberaterinnen und -berater bei Handwerkskammern und Industrie- und Handelskammern. Ziel des Bundes-programms ist es, dazu beizutragen, die Zahl von Auszubildenden und jungen Fachkräften in kleinen und mittleren Unternehmen, die ein Auslandspraktikum absolvieren, zu erhöhen.

Weitere Informationen, Kontaktdetails der bundesweiten Koordinierungsstelle sowie Ansprechpartner in den Regionen finden Sie unter www.berufsbildung-ohne-grenzen.de.

Pressemitteilung, Berlin 17. Oktober 2018, Quelle Thomas Renner, Pressesprecher DIHK - Deutscher Industrie- und Handelskammertag e.V., Berlin

Nicht betriebsblind werden

Der Lehrlingsaustausch XChange bietet gerade auch Unternehmerkindern große Chancen. Tobias Lauber zumindest hat aus Vorarlberg viele Einblicke mitgenommen – ganz wie es sich für einen angehenden Glaser gehört

Über den Tellerrand schauen, neue Arbeitsweisen kennenlernen, in eine andere Unternehmenskultur eintauchen – für kaum jemanden ist das so wichtig wie für diejenigen, die selbst einmal Verantwortung im Betrieb übernehmen und die Zukunft mitgestalten wollen. Tobias Lauber ist so jemand. Derzeit ist er noch Azubi im Familienunternehmen, wird zum Glaser ausgebildet. Aber irgendwann wird er wohl selbst eine führende Rolle in der Lauber Fensterbau GmbH übernehmen. Und darauf bereitet sich der 22-Jährige nicht nur daheim in Singen vor.

Gerade war er mit dem Lehrlingsaustausch XChange für drei Wochen in Vorarlberg – ein Mekka für alle Handwerker, die mit Holz zu tun haben. Dass bei der i+R Fensterbau GmbH in Lauterach wie oft in Österreich fast nur Fichte statt der in Deutschland üblichen Kiefer eingesetzt wird, ist längst nicht der einzige Unterschied, der dem Glaser-Azubi dabei aufgefallen ist: „Das Gastunternehmen war zwar ähnlich aufgestellt wie unser Betrieb, aber trotzdem wurden dort viele Kleinigkeiten anders erledigt. Da schaut man dann schon genau hin und nimmt einiges mit“, sagt Tobias Lauber.

Vom Nachbarn lernt sich’s leichter
Dass gerade Unternehmersöhne und -töchter, die im eigenen Betrieb ausgebildet werden, sehr vom Auslandsaufenthalt profitieren, weiß auch Ausbildungsberaterin Susanne Hillan, die den XChange-Austausch bei der Handwerkskammer Konstanz koordiniert: „So kommt frischer Wind ins Unternehmen, ohne dass man der direkten Konkurrenz vor Ort zu nahe tritt.“

Weiter weg als in die Nachbarländer – außer vier österreichischen Bundesländern beteiligen sich auch Regionen in der Schweiz, Italien, Frankreich sowie Liechtenstein an dem Austausch – muss es nach ihrer Einschätzung aber nicht gehen: „Ein entscheidender Vorteil von XChange ist die kulturelle Nähe und die fehlende Sprachbarriere. Nur dadurch kann man in relativ kurzer Zeit sehr viel lernen“, sagt die Ausbildungsbegleiterin.

Das kann Tobias Lauber nur bestätigen: „Die österreichischen Kollegen waren sehr offen und haben mir viel gezeigt. Ich hab gar nicht damit gerechnet, dass ich selber so viel machen darf“, erzählt er begeistert. Umgekehrt hat auch er einen hervorragenden Eindruck beim Gastbetrieb hinterlassen: Ein hohes Ausbildungsniveau, Einsatzfreude und Wissbegier bescheinigt Betriebsleiter Harald Spettel dem deutschen Austausch-Azubi. Er will mit seinen Teamleitern demnächst sogar mal bei Lauber in Singen vorbeischauen – „so neugierig hat uns Tobias gemacht“.

Das hört Mutter Simone Lauber natürlich gerne. Doch vor allem sieht sie in der Teilnahme an XChange eine gute Gelegenheit, das betriebliche Ausbildungsspektrum zu bereichern: „Wenn man mal was anderes sieht, wird man nicht betriebsblind“, findet sie. Deshalb kann sie sich gut vorstellen, in Zukunft auch ihre anderen Lehrlinge für ein paar Wochen ins Ausland zu schicken.

Für Tobias Lauber steht ohnehin schon fest: Wenn seine Ausbildung im Sommer rum ist, sucht er erst einmal das Weite. Ein Jahr lang will er noch mal in die Welt hinaus, bevor er in Singen an der Zukunft des Familienunternehmens weiterarbeitet: „Früher ging man nach der Lehre auf die Walz. Das hat schon Sinn gemacht.“

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Daumen hoch für den Austausch-Azubi: Drei Wochen lang war Tobias Lauber (Mitte) ein gut integriertes Mitglied des Vorarlberger Fensterbau-Teams von Betriebsleiter Harald Spettel (4.v.l.) und seinen Mannen. Foto: i+R Fensterbau GmbH

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Durchblick ist sein Metier – und den bekommt Azubi Tobias Lauber nicht nur im Singener Familienbetrieb, sondern auch durch den XChange-Austausch mit einem Vorarlberger Fensterbau-Unternehmen.

Mehr Informationen zu XChange gibt es unter www.xchange-info.net.

Ansprechpartnerin bei der Handwerkskammer Konstanz ist Susanne Hillan, Tel. 07531 205-391, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!