Andre Dragar

Mit xchange an den Luganer See

Der Auszubildende Andre Dragar berichtet von seinen Erfahrungen

Andre Dragar macht bei der Handwerkskammer Konstanz eine Ausbildung zum Kaufmann für Büromanagement. Über das Auslandsprogramm XChange hat der 22-Jährige ein Auslandpraktikum bei dem Tribunale d´appello – Cantone Ticino, einer Abteilung des Obergerichts in Lugano (Tessin) absolviert. Welche Erfahrungen er dort gesammelt hat und für wen sich ein solches Auslandspraktikum auf jeden Fall lohnt, verrät er im Folgenden.

"Ein Auslandspraktikum kann ich jedem empfehlen, da es eine perfekte Gelegenheit ist, um einmal über den Tellerrand zu schauen. Man erlebt die Kultur und das Arbeitsumfeld in anderen Ländern und ist komplett auf sich allein gestellt. Dadurch wird das Selbstbewusstsein enorm gestärkt. Aber auch die Selbständigkeit wächst. Ich musste zum Beispiel die Reiseplanung komplett selbst übernehmen und habe mir die Zugverbindungen und andere öffentliche Verkehrsmittel gebucht, um zu meiner Unterkunft in Lugano zu kommen. Auch in meiner Freizeit habe ich mir Mühe gegeben, alles so zu planen, dass ich so viele Eindrücke wie möglich von meinem Aufenthalt in Lugano mitnehmen konnte. Unter der Woche blieb leider nicht viel Zeit, um nach der Arbeit große Unternehmungen zu starten, aber es bestand auch die Möglichkeit, vor der Haustür den wunderschönen Luganer See zu besichtigen oder mit dem Bus und der Seilbahn die naheliegenden Berge zu erkunden. Von dem Berg San Salvatore hat man eine traumhafte Aussicht über das Tessin.

Zu meinem Glück war ich bereits am Schweizer Nationalfeiertag in Lugano und durfte mir dann das Feuerwerk über dem Lago di Lugano ansehen, das ähnlich ist, wie unser Seenachtsfest in Konstanz. Am Wochenende habe ich mir dann Zeit genommen, um die Städte Locarno und Como, sowie den Ponte Tibetano in Bellinzona anzuschauen.

Die größte Schwierigkeit bestand darin, sich in einer fremden Stadt mit mangelnden Italienischkenntnissen zu orientieren. Auch die Kommunikation fällt am Anfang nicht leicht. Allerdings konnte ich mich mit vielen freundlichen Menschen aus dem Gastbetrieb auch so verständigen - und mich mit einigen auch auf deutsch oder englisch unterhalten.

Der größte Unterschied im Vergleich zu unserem beruflichen Alltag, ist die entspannte Arbeitsatmosphäre und die Pausenzeiten, da es bei den Schweizern die „Znüni-Pause“ gibt, die für mich sehr ungewöhnlich war. Im Regelfall kommen die Mitarbeiter schon gegen 7 Uhr und haben dann um 9 Uhr eine Kaffee-Pause, die im Café stattfindet. Wer früh mit der Arbeit anfängt, frühstückt logischerweise auch früher, weshalb das „Znüni“ dann schon die zweite Mahlzeit ist.

Für die berufliche Laufbahn ist der Austausch hervorragend, da man am Ende des Praktikums ein Zertifikat erhält, das sehr von Nutzen sein kann, wenn man sich einmal im Ausland bewerben möchte. Ich könnte mir sogar gut vorstellen, in ferner Zukunft einmal dort zu arbeiten, da die Menschen in Lugano sehr offen und freundlich sind.

Darüber, dass mir die Möglichkeit gegeben wurde, etwas Neues zu sehen und neue Erfahrungen sammeln, bin ich glücklich. Dazu konnte ich viel Neues lernen - sowohl beruflich, als auch für meinen privaten Lebensweg. Jeder der die Möglichkeit hat, sollte diese Chance nutzen!"

Quelle: http://www.hwk-konstanz.de/artikel/mit-xchange-an-den-luganer-see-64,0,898.html

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Andreas Schneider

Ein alter Weg ins moderne Handwerk

Brauchtum der Walz besitzt weiterhin Aktualität
Andreas Schneider will auf Wanderschaft gehen
Handwerkskammer lobt Bereitschaft zur Reise

Von Guy Simon

Andreas Schneider wohnt in St. Georgen und ist Zimmerergeselle im dritten Lehrjahr. Einige Zimmerer folgen nach erfolgreich absolvierter Lehre einem Jahrhunderte alten Brauch und gehen auf Wanderschaft, die Walz – oder wie die Zimmerer selbst dazu sagen: die Tippelei. Dabei ziehen sie von Ort zu Ort, lediglich mit wenig Gepäck in einem Bündel und einer bestimmten Tracht. Auch Schneider will diesen Schritt wagen: „Die Vorstellung, ohne Handy und ständige Erreichbarkeit unterwegs zu sein, gefiel mir schon immer. Mir wurde dann mit der Zeit klar, dass ich genau das machen will.“

Der 24-Jährige hat sich schon immer für das Handwerk interessiert. Nach bestandenem Abitur absolvierte er ein freiwilliges soziales Jahr und half einem Landschaftsgärtner bei der Arbeit. „Wir haben ein Schlossgelände gestaltet und hatten dabei immer wieder mit einem Zimmermann zu tun. Die Arbeit hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich mich dazu entschloss, ein Praktikum in dem Bereich zu machen“, berichtet Schneider. Das machte er schließlich beim St. Georgener Holzhausbaubetrieb Schwarzwälder: „Ich wollte einfach rausfinden, ob meine Erwartungen an den Beruf auch tatsächlich zutreffen.“ Diesen Schritt habe er nicht bereut und die Arbeit gefiel ihm so gut, dass er beschloss, direkt dort die Lehre zum Zimmerer zu beginnen.

Für seinen späteren beruflichen Weg ist die Walz sicher ein Vorteil, ist Schneider überzeugt: „Man hat immer ein Büchlein dabei, in dem alle Stationen auf der Fahrt mit entsprechenden Arbeitsberichten vermerkt werden.“ Hinzu komme der Erfahrungsbonus, den man sich dadurch im Laufe der Zeit erarbeite. „Ein möglicher Arbeitgeber schätzt dann sicher auch die soziale Kompetenz, die notwendig ist, um auf der Walz zurecht zu kommen“, ergänzt Schneider. Das Brauchtum der Walz entstand im 14. Jahrhundert und die genaue Ausführung wird heute noch von den sogenannten Schächten, Vereinigungen von Zimmerergesellen, geregelt. Die Dauer der Walz variiere dabei von Schacht zu Schacht: „Standard ist meist eine Wanderzeit von drei Jahren und einem Tag, wobei der letzte Tag flexibel ist und lang gezogen werden kann wie ein Kaugummi. Manche sind da auch mal fünf Jahre lang auf der Walz“, erklärt der 24-jährige Auszubildende. Schneider will seine Walz anhand der Regeln einer der älteren Schächte namens Freie Vogtländer Deutschlands absolvieren. Dort dauert die Wanderschaft zwei Jahre. Außerdem sollte man schuldenlos, ledig und, je nach Schacht, nicht über 30 Jahre alt sein. Einen genauen Termin für den Start seiner Fahrt hat Andreas Schneider noch nicht. Vermutlich irgendwann im Oktober. Abhängig, so sagt er, sei das auch von seinem Exportgesellen. Das ist ein Schacht- Mitglied, welches ihn die erste Zeit begleitet und ihn das komplexe Brauchtum einführt: „Er gestaltet mit mir auch die Abschiedsfeier mit der gebräuchlichen Zeremonie und ist die ersten Wochen dann mein einziger Begleiter“, sagt Schneider. Auch helfe der Exportgeselle, den Stenz, den Wanderstab der Zimmerer-Gesellen, zu fertigen. Der werde selbst hergestellt und müsse zuerst im Wald gefunden und entsprechend verarbeitet werden. „Als Kleidung hat man zwei komplette Kluften dabei, eine zum Arbeiten und eine zum Wandern, die Spinnerkluft, die meistens etwas edler ist“, erklärt Schneider. Sich eine komplette Kluft anfertigen zu lassen sei allerdings sehr teuer: „Rund 1500 Euro zahlt man beim Schneider dafür. Inzwischen kann man aber auch beim Großhandel gute und günstigere Kleidung kaufen.“ Seine Eltern waren mit der Entscheidung auf die Walz zu gehen nicht so ganz einverstanden, berichtet Schneider: „Sie haben es akzeptiert, sich allerdings gewünscht, dass ich lieber etwas nicht ganz so Verrücktes machen würde.“ Im Freundeskreis kommt der Entschluss zur Walz ausschließlich positiv an: „Die finden das alle eigentlich ziemlich cool.“

Quelle: Südkurier Nr. 217 | TG, Samstag, 17. September 2016

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Dominik Hirschi und Klara Mainetti, Tischler/Tischlereitechnikerin, Meggen, Hittisau
Eine lässige Idee und super Sache

so bewertet Klara Mainetti aus Bregenz den Austausch von Lehrlingen im Rahmen von xchange. Als Tischlereitechnikerin bei der Holzwerkstatt Markus Faisst im Bregenzerwald hat sie beste Ausbildungsbedingungen.

Aber die Chance, auch einen anderen Betrieb kennen zu lernen, noch dazu in einem anderen Land, in ihrem Fall in Meggen am Vierwaldstätter See, das findet sie einfach super. Neue Leute, eine andere Umgebung! Dominik Hirschi von der Firma Krieger in Meggen kommt ebenfalls aus einem sehr renommierten Betrieb. Er hat in der Wälder Holzwerkstatt vor allem die Arbeit mit Vollholz auf höchstem Niveau kennen gelernt. Der Chef und Ausbilder, Markus Faisst, ist von seinem Gast-Lehrling begeistert. Vom Austausch der jungen Leute ist er voll überzeugt, seine Firma macht hier schon seit Jahren mit. Er wird auch die Gelegenheit wahrnehmen, den Betrieb von Dominik in Meggen kennen zu lernen. Man lernt eben immer voneinander, nicht nur die Lehrlinge.

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Anna Kaufmann, Hotelkauffrau, Oberstorf

Eine tolle Erfahrung für Lehrlinge

so sieht Daniel Kienast, Hotelmanager des neuen Explorer-Hotels in Gaschurn im Montafon das Austauschprojekt xchange. Die Azubis sollen auch ein anderes Haus kennen lernen. Jedes hat eine andere Atmosphäre und ein anderes Publikum. Das verlangt wieder einen ganz anderen Umgang mit den Gästen.

So sieht das auch Anna Kaufmann, Hotelkauffrau vom Hotel Mohren in Oberstorf im Allgäu. Sie kommt von einem sehr etablierten Haus mit vielen Stammgästen. Hier im neuen Design-Sporthotel gibt es eine sehr intensive Wintersaison. Der Umgangston ist locker, man ist mit den Gästen „per du“. Im Gegenzug war eine Auszubildende des Sporthotels im Hotel in Oberstorf. Der Austausch und Wechsel ist für Lehrlinge und Betriebe eine große Bereicherung.

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Simona Ofner, Pharma-Assistentin, Salzburg

Viele berufliche Anregungen und Horizonterweiterung

„Wir hatten eine Praktikantin aus der Schweiz bei uns und hatten uns richtig angefreundet. Da habe ich die Chefin gefragt, ob nicht ich ebenfalls so ein Auslandspraktikum machen könnte.“ So hatte Simona Ofner, Pharma-Assistentin von der Lebensbaum-Apotheke in Salzburg die Möglichkeit, ein Praktikum in der Rathausapotheke in Winterthur in der Schweiz zu machen.

Als Ergebnis ihres Aufenthaltes konnte sich höchst zufrieden feststellen: Es gibt neue Anregungen und bringt eine wichtige Horizonterweiterung. Sie konnte bei ihrer Schweizer Freundin wohnen und alles ist so gelaufen, wie sie es sich vorgestellt und gewünscht hatte.

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